Wanderinsel Andros

2018 ging es für uns in den letzten beiden Septemberwochen auf die griechische Insel Andros. Andros ist die nördlichste und zweitgrößte Insel der Kykladen, hat gut 9.000 Einwohner, ist in Nordwest-Südost Richtung knapp 40 km und an der breitesten Stelle in der Inselmitte 16,5 km breit.

Die Idee nach Andros zu reisen entstand nach einem Besuch der Tour Natur in 2017, da die Insel und insbesondere die Möglichkeiten dort wandern zu gehen dort bei einem Vortrag vorgestellt wurden. Die “Andros Route” ist ungefähr 100km lang und gehört zu den “Leading Quality Trails of Europe”. Vor allem durch Freiwilligenarbeit wurde und wird das Wegenetz auf Andros etabliert, instandgehalten und aufgewertet.

Die Anreise: Da Andros über keinen Flughafen verfügt flogen wir von Köln-Bonn aus zunächst nach Athen. Von dort aus Fahren Busse für ein paar Euro bis zum Hafenort Rafina in dem wir uns für eine Nacht einquartierten. Rafina hat leider nicht besonders viel schönes zu bieten, erst recht nachdem in 2018 (wenige Wochen vor unserem Aufenthalt dort) ein verheerendes Feuer in der Nacht vom Wald aus mit dem Wind innerhalb kürzester Zeit eine Schneise der Verwüstung durch den Ort gebrannt hat. Nach einer Übernachtung nahmen wir frühmorgens die erste Fähre nach Andros. Verschiedene Anbieter fahren von hier aus über Andros und Tinos bis nach Mykonos, sodass nicht wenige Touristen von hier aus auch zum Insel-Hopping starten. Wir fuhren mit der “Fast-Ferries” in gut 2 Stunden bei schönstem Wetter (zunächst im Sonnenaufgang) nach Andros. Tickets für die Fähren erhält man direkt im Hafen von Rafina. In Andros (Gavrio) angekommen stürmte es bereits – für Andros nicht untypisch – ordentlich. Unser Mietwagen den wir über das Internet gebucht hatten wartete bereits auf uns, in Gavrio selbst hätte es jedoch auch die Möglichkeit gegeben noch vor Ort einen Wagen zu mieten. Nur wenige Fahrminuten von Gavrio entfernt erreichen wir bald Batsi – unseren Urlaubsort.

Mobilität: Da auf der gesamten Insel (glaube ich) nur zwei Buslinien verkehren, braucht man definitiv einen Mietwagen wenn man die Insel erkunden möchte.

Unser Hotel: Da wir bei unserer Reise wandern, Erholung und baden verbinden wollten entschieden wir uns für das Aneroussa Beach Hotel. Dieses liegt sehr ruhig und idyllisch etwa 1km abseits von Batsi. Das Hotel verfügt über einen eigenen, sehr schönen Hotelstrand mit kleiner Sandbucht. Der Frühstücksbereich ist terrassiert etwas im Hang angelegt, sodass man von jedem Platz aus einen wunderschönen freien Blick auf das Meer und eine unbewohnte kleine Insel hat. Jeden Tag kann man von hier aus die Fähren auf dem Weg nach Tinos vorbeifahren sehen. Im Hotel gibt es Frühstück, jedoch kein Restaurant für Mittag- oder Abendessen. Generell gibt es auf Andors keinerlei “Bettenburgen”, stattdessen viele kleinere eigentümergeführte Hotels, Pensionen oder Ferienhäuser.

Essen: Nur ca. 300 m hinter dem Hotel liegt eine kleine Taverne direkt am Meer. Die Auswahl an Gerichten wird täglich durch den Hausherren erläutert, eine Karte gibt es nicht. Wir können ausnahmslos alles empfehlen was wir dort gegessen haben. Moussaka, “big fish” (vermutlich Goldbrasse), “Little fish” (Sardinen), gefüllte Tomaten, Zaziki mit Brot und natürlich den Weißwein. Das Essen ist sehr erschwinglich und die Lage einmalig. Wenn uns doch einmal nach Abwechslung und Auswahl anhand einer Speisekarte war, hat Batsi eine ganze Reihe guter Lokale zu bieten. Vom Hotel aus kann man entspannt an der Küste entlang bis dorthin spazieren.

Baden/Schnorcheln: Auf Andros gibt es insgesamt um die 40 Badebuchten unterschiedlichster Größe. An manche von Ihnen kommt man bequem mit dem Auto, zu anderen muss man mehrere Kilometer wandern um sie zu erreichen. Unser Autovermieter hat uns bei der Wagenübergabe in einer Karte eingezeichnet an welche Strandzufahrten gut befahrbar sind und welche nicht. Es lohnt sich, sich an diese Empfehlung zu halten…Keiner der Strände die wir während unserer Reise besucht haben war überlaufen. Ganz im Gegenteil: die meisten Strände waren völlig unbewirtschaftet und leer. Untypisch für Griechenland ist zudem, dass die meisten Sandstrände sind. Unter Wasser gab es auch einiges zu sehen, mein Highlight war ein kleiner Tintenfisch, der direkt vor mir her- bzw. weggeschwommen ist. Daneben gab es jedoch auch Hornhechte, Brassen, riesige Schwärme Sardinen und noch einiges (teils buntes) mehr zu sehen.

 

Wetter: Andros hat sein eigenes, teils etwas wildes Wetter. So ist es nicht selten stürmisch und auch ein Regentag kann einmal vorkommen. Uns traf es allerdings etwas heftiger, da wir in der zweiten Woche einen “Medicane” abbekamen. Dies hatte zur Folge, dass sämtliches Baden und Wandern sturmbedingt nicht mehr möglich war. Auch die Temperaturen stürzten in den Keller und es regnete mehrere Tage am Stück. Letztlich fuhren sogar mehrere Tage lang keine Fähren nach Andros bzw. von Andros weg. Einige Urlauber saßen daher fest und verpassten ihre Flüge, bei uns passte es glücklicherweise und wir konnten so gut wie planmäßig abreisen. Dennoch ist es ratsam bei Reisen nach Andros einen Puffer in Form von einer Übernachtung auf dem Festland vor dem Heimflug einzuplanen (wir haben in Athen übernachtet). Das Wetter sollte in jedem Fall auch bei der Auswahl der Tages(wander)touren berücksichtigt werden. Einige der Touren führen durch das Gebirge über Gipfel und Kämme und sind nichts für stürmisches Wetter. Für uns fielen solche Touren daher leider ganz aus.

 

Schöne Orte:

  • Batsi: touristisches Zentrum von Andros mit vielen Restaurants, trotzdem nicht überlaufen. Es gibt eine kurze Promenade und einen kleinen Hafen.
  • Andros (Chora): kulturelles Zentrum von Andros mit kleinem Theater, einem Museum für Moderne Kunst (klein aber fein) und einer wunderschönen autofreien Altstadt. Es gibt viele kleine Läden und gemütliche Restaurants / Cafes. Außerdem gibt es hier das wohl bekannteste Fotomotiv von Andros: den Leuchtturm und die Burgruine auf der kleinen Insel. Hierher führt eine kleine Rundbrücke, über die man grundsätzlich auch laufen kann (falls es nicht stürmt).
  • Korthi: sehr entspanntes, lockeres Küstenstädtchen in dem sich überdurchschnittlich viele Wanderer aufgehalten haben. Viele schicke, kleine Restaurants und ein kleiner Fischerhafen.
  • Bergdörfer: es lohnt sich definitiv mit dem Auto einmal durch die Berge und die dort verstreuten Bergdörfer zu fahren. Diese liegen teils sehr idyllisch und sind auch architektonisch sehenswert – Neubauten integrieren auf geschmackvolle Art und Weise den Altbaubestand, zudem finden sich auch sehr viele gepflegte historische Gebäude die noch heute bewohnt werden.

Und nun zum wichtigsten…

wandern: Auf Andros gibt es ein außergewöhnlich gutes und großes Wanderwegenetz – von insgesamt gut 300 km Wanderwegen sind 160 km nach europäischem Standard ausgeschildert. Da es sich meist um Strecken- und weniger um Rundwanderungen handelt, muss man wahlweise auf dem gleichen Weg wieder zum Ausgangspunkt zurückkehren oder sich eine Rückfahrt organisieren. Auf großen Infotafeln die zumeist an den Start-/Zielpunkten angebracht sind, werden z.B. Rufnummern für Taxen aufgeführt. Bei einer Tour die an Lefka-Beach endet, kann man sich sogar per Boot abholen lassen. Hier steht jedoch keine Tafel – die Abholung dort muss vorab bestellt werden. Die Website Andros Routes listet gute bebilderte Beschreibungen zu den einzelnen Tagestouren auf.

Hier ein paar Eindrücke von unseren Wanderungen auf Andros:

2 Gedanken zu „Wanderinsel Andros

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